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In einem kollektiven Prozess hat die Versammlung der Wünsche das „Manifest der Soziokultur in NRW“ am 26. Januar 2023 im Ringlokschuppen Ruhrverabschiedet. Wer jetzt noch unterzeichnen möchte, scrolle bitte zum Ende der Seite.

FOKUS AUF DIE SOZIOKULTUR JETZT!  
Manifest der Soziokultur in NRW

Wir arbeiten partizipativ.
Wir verbinden Kunst und Gesellschaft auf vielen Ebenen.
Wir sind so niedrigschwellig zugänglich und barrierearm wie möglich.
Wir verstehen Kultur als soziales Ereignis, bei dem alle mitmachen können.
Wir organisieren Zivilgesellschaft und kulturelle Bildung.
Wir schaffen Räume auch für Nischenprojekte.
Wir setzen nicht auf große Künstler*innen und Intendant*innen, sondern auf den Teamgedanken und auf flache Hierarchien.
All das macht Soziokultur seit Jahrzehnten aus.

Kultur gehört zum Leben. Das ist der soziokulturelle Leitgedanke.
„Soziokultur ist das Leben in schöner.“

Damit war die Soziokultur ihrer Zeit und anderen Kulturinstitutionen weit voraus.
Heute zeigt sich, dass in diesen soziokulturellen Arbeitsweisen die Zukunft der Kulturlandschaft liegt: Schauspielhaus, Oper, Documenta und Museum, sie alle wollen heute ebenfalls niedrigschwellig, partizipativ und Begegnungsort sein.

Die Soziokultur ist nicht nur eine Erfolgsgeschichte, sie ist gelebte Kulturgeschichte.

Das Geben von Freiräumen, das Aufmachen, Einladen, Zuhören, Ermutigen und Empowern ist eine ganz eigene Kompetenz. Sie hat sich durch das kontinuierliche Engagement und die harte Arbeit der Akteur*innen entwickelt, die die Soziokultur tragen.

Heute fordern wir, die Akteur*innen der Soziokultur NRW, einen Fokus auf die Soziokultur und eine entsprechende Finanzierung.

Wir fordern mehr Wahrnehmung und Wertschätzung, wir fordern Sichtbarkeit und Respekt – nicht für uns selbst, sondern für die Zukunft der Soziokultur. Und für eine Gesellschaft, die die Soziokultur braucht, heute mehr denn je.

Wir konnten unser Potenzial bisher bei weitem nicht ausschöpfen.

Zugleich stehen wir vor Herausforderungen, die finanziert werden müssen:
Selbstausbeutung und Burnout sind seit Langem Teil des soziokulturellen Arbeitens. Ein Generationenwechsel ist unter diesen Umständen sehr schwierig – Stellen, die es nicht gibt, lassen sich nicht neu besetzen und übergeben.
Um den Dialog von Jungen und Alten zu ermöglichen, um Raum für Neues zu geben und die Arbeit der vergangenen Jahrzehnte in die Zukunft zu führen, braucht es jetzt eine gesunde finanzielle und strukturelle Basis und eine angemessene Bezahlung für alle Beteiligten, Kulturschaffende eingeschlossen. Zugleich brauchen viele der Häuser dringend nachhaltige Sanierungen.

Wir müssen die Selbstausbeutung beenden! Wir brauchen endlich eine nachhaltige, dynamisierte Strukturförderung. Nachhaltige Sanierungen müssen finanziert werden!

Die Gesellschaft verändert sich: Strukturelle Diskriminierungen, Missbrauch und Marginalisierungen ganzer gesellschaftlicher Gruppen werden endlich nicht mehr hingenommen. Soziokulturelle Zentren und Arbeitsweisen spielen in diesem Geschehen seit Langem eine wichtige Rolle:
Sie ermöglichen Safer Spaces, kleine Projektzusammenhänge, in denen Diskriminierungserfahrungen aufgearbeitet werden und eigene Stimmen gefunden werden können.
Sie richten sich an alle – alle Alter, Schichten, Gender, Berufe, Hintergründe – und schaffen damit Räume, in denen sich Menschen treffen, die sich sonst nie begegnen würden. Räume auch für konstruktives Streiten.
Soziokultur arbeitet für das zwischenmenschliche Live-Geschehen, das Gesellschaft erst ausmacht, und wirkt gegen Spaltung und Isolation.

Soziokultur muss gerade jetzt in die Lage versetzt werden, ihr anti-diskriminatorisches und diverses Potenzial voll zu entfalten. Auch dafür braucht es eine Finanzierung!

Die schönsten Momente für uns sind die, wenn sich eine Mikrogesellschaft in ihrer Vielfalt zeigt.
Wertschätzung der Soziokultur bedeutet auch, das Engagement derer zu schätzen, die soziokulturelle Angebote nutzen und mit Leben erfüllen.
Der ökonomische und zeitliche Druck vor allem auch auf junge Menschen scheint aber immer weiter zu steigen.
Manchmal wünschen wir uns, wir könnten Ressourcen umverteilen, damit alle Menschen die Möglichkeit haben, an Kultur aktiv teilzunehmen.

Wie können Menschen auch in Zukunft dazu befähigt werden, sich in Communities und lokale Kultur einzubringen? Hier ist politischer Wille gefragt.

Wir, die Akteur*innen der Soziokultur NRW, arbeiten seit Langem gemeinsam, vernetzt, im Austausch. Zu selten bleibt dabei Zeit, den Blick Richtung Horizont zu wenden.

Wir wünschen uns eine Akademie für Zukunftsforschung, in der wir uns gemeinsam weiterbilden können.

Soziokultur ist immer auch politische Arbeit. Soziokulturelle Zentren sind immer wieder Ausgangspunkt und Infrastruktur sozialer Bewegungen, die die Gesellschaft verändern.
Heute – in Zeiten der Klimakrise – gilt es, die Beziehungen zwischen Häusern und Bewegungen weiterzuentwickeln. Die beste politische Bildung ist die politische Praxis.
Soziokulturelle Orte müssen als Gewächshäuser der Ideen ausgebaut werden.
Soziokultur ist gelebte Demokratie und hat ein besonderes Potenzial, notwendige gesellschaftliche Veränderungen voranbringen.

Fokus auf die Soziokultur jetzt: Lasst uns diese transformative Kraft voll entfalten!

Mülheim a.d. Ruhr, den 26. Januar 2023

Erstunterzeichner*innen:

Deniz Czempik, Stapeltor Duisburg
Lili Seibel, Stapeltor Duisburg
Andrea Friedrich, Ringlokschuppen Ruhr
Matthias Frense, Ringlokschuppen Ruhr
Janina Banaszkiewicz, Sojus 7
Lothar Jessen, die börse Wuppertal
Jochen Molck, Soziokultur NRW
Iris Colsman, Färberei Wuppertal
Karin Böke, die börse Wuppertal
Nadine Jessen, Migrantpolitan
Larry Macaulay, Migrantpolitan
Rika Sakalak, Ringlokschuppen Ruhr
Britta Lins, Kulturbüro Rheinland Pfalz
Katrin Eisenträger, Cuba Münster
Gerd ter Veen, Soziokultur NRW
Sabine Lemmens, zakk Düsseldorf
Toni Dotzauer, zakk Düsseldorf
Charlotte Nüsken, zakk Düsseldorf
Lila Uçar, zakk Düsseldorf
Margarete Nüsken, zakk Düsseldorf
Caro Baum, zakk Düsseldorf
Ellen Schnorr, zakk Düsseldorf
Sevgi Demirkaya, Kulturbunker Mülheim
Claudia Saerbeck, Ringlokschuppen Ruhr
Christiane Busmann, Schuhfabrik Ahlen
Christian Kaindl, Sojus 7
Till Krägeloh, zakk Düsseldorf
Güler Bulgurcu, Bahnhof Langendreer
Uwe Vorberg, Bahnhof Langendreer
Inken Kiupel, Soziokultur NRW
Kübra Gümüşay, eeden
Miltiadis Oulios
Heike Herold, Soziokultur NRW
Anja Kunz
Wenke Seidel, Bollwerk 107
Henning Mohr, Kulturpolitische Gesellschaft
Petra Kron, Kabawil
Louis Martin, Kabawil
Sarah Berndt, Lokal Harmonie
Stefan Schroer, Lokal Harmonie & kitev
Heike Simmer, Alte Feuerwache Köln
Julia Biedermann, Alte Feuerwache Köln
Tim Többe, B-Side Münster
Tine Hansen, B-Side Münster
Simon Mertens, B-Side Münster
Martin Schlathölter, B-Side Münster
Melchior Pfalzgraff, B-Side Münster
Friederike Irkens, B-Side Münster
Sarah Rissel, Hier ist nicht da
Christoph Lammert, Hier ist nicht da
Kathrin Grzeschniok
Ilona Wijnen, Kulturbahnhof Werl
Tom Schulte, Kulturbahnhof Werl
Stephan Noltze, Welthaus Bielefeld
Michael Lesemann, Welthaus Bielefeld
Lukas Hegemann, die börse Wuppertal
Hendrik Stratmann, Soziokultur NRW
Joi Garbe, Haus Eifgen
Abdo Issa, kitev
Sarah Weber, Bollwerk 107
Kira Halfmeier, Bollwerk 107
Eva Busch, atelier automatique
Sarah Jung, Kulturzentrum Pelmke
Nilüfer Kemper, vier.D
Stella Pischke, vier.D
Claudia Schölling, B-Side Münster
Lisa Katzensteiner, Druckluft
Bernd Hesse, LAKS Hessen
Kirsten Schröer-Jacobs, Bürgerzentrum Nippes
Sina Schneller, Favoriten Festival
Thyll Dammer, Werkhaus Krefeld
Waleed Ibrahim, Werkhaus Krefeld
Anja Jansen, Werkhaus Krefeld
Katrin Blewaska, Werkhaus Krefeld
Andreas Simon, Werkhaus Krefeld
Cassie Thornton, The Hologram
Jannik Klaue, Sojus 7
Natascha Guida, Sojus 7
Hannah Kowalski, FUNDUS THEATER
Vittoria Lenz, Ringlokschuppen Ruhr
Kim Hülsewede, Ringlokschuppen Ruhr
Kurt Eichler, Fonds Soziokultur
Birte Gooßes, Altstadtschmiede Recklinghausen
Lisa Krischker, Altstadtschmiede Recklinghausen

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Weitere Unterzeichner*innen

Sandra Scholtz, domicil Dortmund
Esther Sieland, domicil Dortmund
Annalena Vonnahme, domicil Dortmund
Matthias Spruch, domicil Dortmund
Waldo Riedl, domicil Dortmund
Ulrich Zucht, Bürgerwache Bielefeld
Anna Sümening, Bürgerwache Bielefeld
Bastian Roloff, Bürgerwache Bielefeld
Wilfried Hammers, Arbeit, Umwelt und Kultur i.d. Region Aachen
Frank Haushalter, Depot Dortmund
Thomas Schlüter, Depot Dortmund
Janica Smija, Depot Dortmund
Claudia Schenk, Depot Dortmund
Kathrin Rittgasser, Depot Dortmund
Jan-Hendrik Pritzl, Lindenbrauerei Unna
Andreas Müller, Lindenbrauerei Unna

Wenn ihr das Manifest unterzeichnen möchtet, könnt ihr euch den Text sowie eine Unterschriftenliste hier herunterladen. Je mehr Menschen das Manifest unterzeichnen, desto besser – sucht also gern in eurem Umfeld nach Mitstreiter*innen, die das Manifest inhaltlich unterstützen und mitzeichnen.

Schickt uns die Unterschriftenlisten bitte entweder per Post (Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultureller Zentren NRW e.V., Achtermannstraße 10-12, 48143 Münster) oder gescannt per Mail an lag@soziokultur-nrw.de zurück. Danke!